Monatsarchiv: Mai 2013

Memes und Semiotik: Memes – Ein undefinierbares Internetphänomen?

Vom notorischen Harlem-Shake zu Katzen-GIFs, Charlie the Unicorn oder Rage-Comics: sie alle sind Memes. Dies sind Bilder, GIFs, Videos oder Tonspuren welche sich innerhalb kürzester Zeit global über das Internet verbreiten, um dann rezipiert, kommentiert und reproduziert zu werden. (Fall-)Beispiele für diesen Begriff gibt es unzählige, was ein „Meme“ jedoch konkret sein könnte, lässt sich aufgrund dieser Vielfältigkeit jedoch schwer definieren.

Erste Definitionsversuche lassen mehr Fragen aufkommen als Antworten:

  • Ist die weite Verbreitung das einzige Kriterium für ein Meme oder muss es andere Aspekte enthalten?
  • Warum sind Memes so beliebt und was macht ihren Reiz aus?
  • Haben Memes einen Sinn oder gar eine Funktion und welche, falls ja?

Fragen über Fragen.
Um diesem Gewirr etwas mehr Struktur zu geben, greifen wir – ganz konventionell – zu einem Text von Erika Fischer-Lichte: Die Zeichensprache des Theaters.


Zeichen: Gegenstand – Zeichenträger – Interpretant

Bildschirmfoto vom 2013-05-18 19:21:09Das theatrale Zeichen nach Peirce

Obwohl Fischer-Lichte sich in Die Zeichensprache des Theaters offensichtlich nicht mit der Welt online, sondern mehr mit der Welt auf der Bühne beschäftigt – ihre Kategorisierungen sowie Beobachtungen lassen sich auf Memes als Internetphänomen übertragen.
Denn wenn die Kultur als Zusammenhang von Zeichen zu sehen ist, ist ein Meme auch schlicht ein Zeichen, das seine Bedeutung durch seinen Kommunikationsprozess erhält.
Nach Peirce besteht das theatrale Zeichen aus einer triadischen Relation: ein Zeichenträger wird von einem Zeichenbenutzer (Interpretant) für einen Gegenstand verwendet. Das Zeichen und seine Bedeutung sind abhängig von der Art und Weise seiner Verwendung.
Konkret angewandt kann der Zeichenträger
Stuhl zum Beispielpiel je nach Verwendung des Schauspielers ein Berg, eine Person oder ein Thron bedeuten.

Weitere Merkmale eines Zeichens – hier nach Saussure – ist einerseits die kulturelle Konventionalisierung (und hier stellt sich natürlich die Frage, innerhalb welcher Kultur und/oder Kulturgruppe), andererseits die Möglichkeit, verschiedene Zeichentypen miteinander zu kombinieren – was zu einer Mobilität und Polyfunktionalität des Zeichens führt.

Auf Memes übertragen bedeutet dies also, dass es einen oder mehrere Zeichenträger gibt, die durch den Zeichenbenutzer (Blogger oder Poster) für einen Gegenstand verwendet werden, dessen Bedeutung erst durch die Weitergabe oder Kommunikation zu den Rezipienten (Seitenbesucher) eine Bedeutung erhalten.

Wichtig für die Memes hierbei ist die Betonung auf mehrere Zeichenträger und ihre Kombination. Zeichenträger aus verschiedenen Zeichensystemen werden miteinander kombiniert und ergeben ein neues Zeichen – ein neues Meme.

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Hier wird ein Zeichen aus der Pop-Kultur, das Lied „Call Me Maybe“ von Carly Rae Jepsen – an sich ein weltweit bekanntes Meme, wenn man will – mit dem Plot Romeo und Julias kombiniert. Die ursprüngliche Textzeile: „Hey I just met you and this is crazy/but here’s my number, so call me, maybe?“ wird durch den Zeichenbenutzer (Autor des Memes) modifiziert, und somit umgedeutet. Gleichzeitig ist ein Still aus Baz Luhrmanns Shakespeare-Verfilmung eingefügt – eine Zeichenkombination also aus den Zeichensystemen Musik, Literatur und Film. Die Bedeutung oder die Komik entsteht aus der Zusammenführung dieser aus komplett verschiedenen Kontexten, eine Strategie, die bereits im Freud’schen Witz verwendet wird.

Die Bedeutung besteht aber erst bei dem Rezipienten, wenn dieser die anzitierten Kontexte erkennt und in einen Zusammenhang bringen kann – also den kulturellen Konventionen bewusst ist. Das ist einerseits ein Problem, weil dadurch nur eine eingeschränkte Bedeutungszuschreibung stattfinden kann. Andererseits macht dies auch den Reiz der Memes aus, sie lassen eine neue gemeinsame Zeichensprache entstehen, welche von einer bestimmten Gruppe (westlich, ähnliche Altersklasse, hohe Technisierung) verstanden, rezipiert und produziert wird.

Genau dieser Punkt könnte die Antwort auf die vorherige Frage sein: Warum sind Memes so beliebt und was macht ihren Reiz aus?
Weil sie durch diese neue Zeichensprache ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Rezipienten- und Produzentengruppe schaffen, zwischen Menschen, welche einen ähnlichen kulturellen oder sozialen Hintergrund haben. Weil durch diese gemeinsame Basis ein Gefühl der Teilhabe an einem großen gemeinsamen Zeichensystem aufkommt, an dem sie aktiv mitwirken und -empfinden können.

Haben Memes auch einen Sinn, gar keine Funktion?

Ja – zwar vielleicht nicht gerade Nyan Cat als solches. Aber Memes können als soziokulturelles Barometer und Kreativitätsventil der Bevölkerung dienen.

Als Kim Jong Un Drohungen an die Welt in Form von militärischer Bereitschaft sandte, waren Seiten wie 9gag voll von politisch-ironischen Memes – vergleichbar mit der politischen Karikatur. Den Start des Kinofilms Iron Man 3 oder Avengers kommentierten tausende User in Form von Memes. Die Referenzialität der Memes können als Gradmesser verwendet werden, was gerade in der oben genannten globalen Gruppe besondere Aufmerksamkeit erregt, gleichzeitig können Mitglieder ihrer Kreativität freien Lauf lassen – mal abgesehen davon, ob diese bekannt und zu internationalen Memes werden. Memes pointieren auch die Attitüde der „digital-natives“-Generation: die ironische Einstellung. Durch dieses Stilmittel wird Kultur- oder Sozialkritik betrieben, gleichzeitig aber auch der Mainstream bestätigt.

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Ironie und Kombination von Politik und Film, Realität und Fiktion
Nordkorea wird ironisch die Militärstrategie Uns kritisiert, gleichzeitig die westliche Abstemplung Nordkoreas als absurdes und realitätsfernes Land bestätigt.

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Bevor wir zum Anschluss an die Literatur kommen also ein letzter Definitionsversuch (ohne Gewähr):

Memes sind Zeichen in audiovisueller, textlicher oder akustischer Form, welche auf Grund ihrer Referentialität und Möglichkeit zur Neuinterpretation, sich innerhalb einer bestimmten Gruppe über das internet rasant verbreiten, und anschließend rezipiert und reproduziert werden. An ihnen kann man die Eigenschaften sowie Interessen dieser bestimmten Gruppe ablesen.

Und was hat das jetzt alles mit Literatur zu tun?

Nun sind Memes schwer als Literatur zu verstehen, das Grundprinzip dieses kulturellen Zeichens ist jedoch auch das Grundprinzip der Literatur. Literatur besteht nicht aus einzelnen abgeschlossenen Werken, entstanden aus einer originellen Idee eines Genies. Sie gehen aus einem kulturellen Kanon hervor, bedienen sich aus diesem und referieren stets intertextuell – Ideen, Symbole, Mythen werden gesammelt und neu zusammengestellt – Texte werden „recyclt“, wie Zeichen für Memes recyclt werden, um Neues entstehen zu lassen.

Was die Vereinfachung und Beschleunigung der zirkulierenden Zeichen sowie die Anonymisierung und der Bedeutungsverlust der Autoren für die Literatur bedeuten mag wird sich jedoch noch zeigen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter 03. Sitzung - 14.05.

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Hier noch ein interessantes Projekt zum Thema Identitätsverlust im digitalen Zeitalter. About:Kate ist eine Kooperation von Arte und Ulmen.tv. Hauptfigur ist Kate Harff, die dank medialer Überflutung und übermäßiger Facebook Nutzung, vergessen hat, wer sie ist. Klingt erstmal nach einer ganz gewöhnlichen Serie, ist es aber nicht, da der Teufel ja bekanntlich im Detail steckt.

Das Konzept ist, dass jeder mitmachen und in den Verlauf der Serie eingreifen kann. Das geschieht dadurch, dass man sich mit der Hauptfigur Kate auf Facebook anfreunden kann, eigene Videos usw. einsenden kann. Das Ganze zeigt sich dann auch als Art crossmedialer und intertextueller Flickenteppich, an dem sich zeigt, wie die Grenzen zwischen Autor (z.B. Regisseur, Produzent, Drehbuchautor) und Rezipient verschwimmen und wie die sich die mediale Überflutung des Internets in unserem „digitalen Zeitalter“ auf das Individuum auswirkt. Man kann auf der Homepage auch die einzelnen Folgen als Therapiesitzungen erleben, sozusagen gleichzeitig mit Kate.

Außerdem ist das Ganze auch ziemlich unterhaltsam!

http://kate.arte.tv/de/

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Eingeordnet unter 01. Sitzung - 30.04.

Web 2.0 – Freiheit oder Zensur?

„Hast Du schon eine Website?“
„Das hat mit diesem Internet zu tun, richtig? Ich glaube nicht, dass sich das auf Dauer durchsetzt.“ (entscheidende Szene im Trailer ab 2.13 min)

Wer den Film „Männerherzen“ gesehen hat, der kennt die Aussage von Justus von Dohnányi alias Bruce Berger. Er passt ziemlich gut zur Geschichte des Internets. Das Internet hat sich definitiv durchgesetzt. Man soll nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, jedoch kann man sagen, dass die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts ebenso die Welt auf eine gewisse Weise verändert hat, wie das Internet im vergangenen Jahrhundert. Damals wie heute gab und gibt es Menschen, die durch eine neue Technologie erst einige Jahre später in den Bann gezogen werden. Im 15. Jahrhundert konnte eine Großzahl der Menschen nicht lesen, heutzutage hat nicht jeder eine Verbindung an das globale Internetnetz. Doch wie begann es mit der Generation Internet, in der wir mittlerweile leben? Führt die allgemeine Digitalisierungswelle weg vom guten alten Buchdruck, oder inwieweit wirkt sich das WorldWideWeb auf die Lektüre aus?

Das Internet existiert noch nicht lange. Erst knapp ein halbes Jahrhundert kann der Mensch auf ein weltweites Netzwerk zurückgreifen. Auslöser war ausgerechnet ein Konflikt zwischen zwei Großmächten. Der Sowjetunion ist es durch den „Sputnikschock“ (Start des ersten künstlichen Erdsatelliten) im Jahr 1957 zu verdanken, dass die Amerikaner in ihrem Stolz soweit verletzt waren, um im Bereich der Technologien wieder vermehrt zu forschen. Das Resultat war ab 1969 zu bestaunen: Das ARPANET nahm seinen Betrieb auf. Als Vorläufer des heutigen Internets operierte es zunächst nur auf militärischer Ebene, bis 1990 endlich die Freigabe für den privaten und kommerziellen Betrieb erfolgte. Dazu kam es nur durch die stetige Weiterentwicklung des Netzes in den 70er und 80er Jahren. Die Grundidee, die der Öffnung des Internets für alle Menschen zugrunde liegt, ist das vernetzen möglichst vieler Computer, so dass ein Datenaustausch möglich wird. Daraus sollte eine universelle und einzigartige Enzyklopädie werden, auf die auch jeder Zugriff haben sollte. An sich ist das eine sehr gute Idee, allerdings mit einem Haken: Es ist utopisch zu glauben, man könnte alles Wissen der Welt „online“ vereinen und für alle zugänglich machen. Bereits im Altertum gab es enzyklopädische Projekte. Die sind aber allesamt in einer überschaubaren Ordnung, während im heutigen Internet zwar Wissen massenhaft vorhanden, aber kreuz und quer verteilt ist: „Der Weltraum, unendliche Weiten…..Wir schreiben das Jahr 2200…. .“ Dieses Zitat aus dem Intro von Star Trek passt dazu ganz gut. Auf Wikipedia wird beispielsweise Wissen in einen Zusammenhang gesetzt, jedoch ist die Gefahr groß sich zu verirren. Das Internet ist der Heuhaufen, in der wir als User die berühmte Nadel suchen. Die Frage, die man sich dabei eventuell stellen könnte, lautet: Wie konnte es in so kurzer Zeit (Freischaltung privater Betrieb 1990 – Heute) soweit kommen, dass man zwischen der Benutzung einer Enzyklopädie aus der Bibliothek und der des Internets abwägen muss wie zwischen Pest und Cholera?

Damit sollte man auch das Internet als kulturelle Gemeinschaft und in diesem Zusammenhang die Ideologie der Freiheit in Frage stellen. Dieses Prinzip der Freiheit, das im Idealbildnis eine konsensorientierte und egalitär strukturierte Gemeinschaft darstellen soll, ist definitiv gescheitert. Bestes Beispiel ist der Protest der russischen Band Pussy Riot, der erst durch die Verbreitung im Internet publik wurde:

Interpretiert man die Ideologie der Freiheit in ihrem Kern, so kann man behaupten, dass durch die Verbreitung des Protests im Netz sich niemand strafbar machen kann. Das ist aber nicht der Fall. Die Protagonisten sitzen in Haft und sind bestraft worden. Der Inhalt dieses Protests mag nicht für jeden richtig sein, jedoch geht es darum, dass hier jemand etwas für alle frei zugänglich gemacht hat. Das ist seine „persönliche Freiheit“. Folglich ist exemplarisch an dieser Stelle die „Freiheit“ nicht mehr gegeben. Nicht jeder kann sich also „frei“ äußern. Das Prinzip der großen Internet-Gemeinschaft ist demnach gescheitert. Das man dabei natürlich die unterschiedlichen Regierungssysteme beachten muss, lassen wir außen vor, denn es geht um das Grundprinzip, das für alle gleich sein sollte.  Dieser Fall steht nur für einen von vielen.

Der Clip der Pussy Riot wurde durch das Web 2.0 ermöglicht. Erst die fortschreitende Verbreitung des Internets im Alltag durch allerlei Anwendungen, wie beispielsweise Podcast, Blogs, Twitter, soziale Netzwerke etc… ermöglicht einerseits die Präsentation andererseits die Partizipation an einem derartigen Protestvideo. Es wäre zu keinem Dialog über derartige Proteste gekommen, wenn hier nicht eine Aura im Spiel wäre, womit wir bei Walter Benjamin angekommen wären. Durch die Aura nimmt man unmittelbar an einem Kunstwerk teil. In diesem Fall ist die Darbietung der Band in der Kirche auch ein Kunstwerk. Dass es zu so einem Echo, wie wir es nach der Veröffentlichung erlebt haben, gekommen ist, bedeutet gleichzeitig, dass die Aura gewirkt hat. An uns liegt es nun, die Aura richtig einzuordnen und entfalten zu lassen.

Hat sich nun die Lektüre durch die Verbreitung des Internets verändert? Ja, das hat sie. Durch die neue „Kultur“, die der Mensch erschaffen hat, sind Bücher allgegenwärtig. Jeder kann jederzeit auf Bücher zugreifen. Das ist ein großer Fortschritt im Gegensatz zum Leben von vor 100 Jahren. Informationen und Wissen sind allgegenwärtig. Welcome to the Revolution…………..

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Eingeordnet unter 02. Sitzung - 07.05.

re:publica 2013 – IN/SIDE/OUT

re:publica 2013

Die re:publica ist eine jährlich stattfindende Konferenz, auf der rund um die Uhr Vorträge von internationalen Rednern zu Themengebieten wie Internet, Gesellschaft, Social Media, Tech, Politik, Genderfragen usw. gehalten werden. Nebenbei laufen offene Diskussionen, Workshops und andere Aktivitäten. Sie findet traditionell in Berlin statt, wurde heute eröffnet und wird für die interessierte Netzgemeinde DAS Thema über die nächsten drei Tage sein. Das diesjährige Motto, IN/SIDE/OUT, weist auf die Diskrepanz und Verschmelzung von On- und Offline in der digitalen Gesellschaft hin.

Man kann jederzeit den Livestream verfolgen. Mit dem Zeitplan kann man nach gesonderten Vorträgen Ausschau halten, wobei nur Bühne 1 im Stream landet.

Den Youtube-Kanal findet ihr hier.

Wer generell auf dem Laufenden bleiben will, kann bspw. die Artikel auf SPON oder den re:publica-Blog lesen.

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Eingeordnet unter Allgemein

Lesen und Literatur im digitalen Zeitalter

Roland Barthes unterscheidet zwischen Text und Werk. Das Werk ist dabei das haptische Buch, welches dem Autor zugeordnet ist. Man kann es sehen und anfassen und Werke werden oft als Konsumgut gehandhabt. Der Text dagegen ist losgelöst vom Autor und Werk er kann zerpflückt werden.

Das Buch im Internet: Digitalisierte Bücher lassen sich in den Bereich des Werkes einordnen. Es gibt jedoch auch Werke bei denen der Autor an Relevanz verliert. Im Internet haben Leser leichter die Möglichkeit mit den Autoren in Kontakt zu treten und eigene Ideen und Wünsche einzubringen.Im Raum des Internets scheint Schrift ihren Wert zu verlieren.

Im Internet entwickeln und verbreiten sich Texte schneller, als der Name des jeweiligen Autors und die Personen die Texte online stellen, sind nicht unbedingt die Autoren. Diese Entwicklung zerschlägt Theorien, die besagen das Leben des Autors sei wichtig für das Verständnis des Textes.

Texte lösen Diskurse und Arbeitsvorgänge aus. Überall sind Text aufzufinden und in sie lassen sich keine Gattung einteilen. Text ist ein Gewebe aus Codes die anonym und wandelbar sind.

Was macht jedoch das Internetgedächtnis aus Texten?

Im Internet bietet sich jedem leicht die Möglichkeit einen Text zu kommentieren. Ein Kommentar der in einem Forum steht lässt sich jedoch nicht so einfach wieder entfernen. Das Geschriebene ist da und lässt sich wiederholt lesen und ist leicht zu kopieren.

Bei diesen Diskussionen kann es leicht passieren, dass die ursprüngliche Bedeutung eines Textes verloren geht, der Text entwickelt sich weiter da jeder anders liest.

Im Internet gibt es kein gesprochenes Wort. Alles verläuft schriftlich, jedes Wort ist damit bereits Text. Auch Filme und Bilder sind Texte. Um die Weitläufigkeit dieses Textbegriffs einzuschränken kann man vielleicht zwischen Sachtexten und literarischen Texten differenzieren.

Im weiteren wird auf Wolfgang Isers Lesevorgang Bezug genommen. Bei ihm ist das literarische Werk ein virtueller Ort der beim Lesen entsteht. Das Lesen erfordert die Imagination des Lesers. Er spricht von zwei verschiedenen Polen, den künstlerischen Pol der beim Autor liegt und den ästhetischen der beim Leser liegt. Die Fantasie des Lesers wird jedoch vom Text reguliert. Beim lesen zeigt jeder Satz bereits auf etwas hin beim Leser wird eine Erwartung erzeugt die mit dem nächsten Satz entweder bestätigt oder gebrochen wird.

Ein Text hat jedoch auch Leerstellen die den Text lebendig machen und dem Leser verschiedene Realisationen und Interpretationen ermöglichen. Lesen ist nicht nur bei jedem Leser verschieden es ist auch bei jedem Lesegang etwas neues.

In unserem heutigen Sprachgebrauch wird mit dem Verb »lesen« in der Regel das Bewusste lesen eines Buches oder einer Zeitung bezeichnet. Wenn im Internet gelesen wird, wird dies oft nicht bewusst als Lesen wahrgenommen. Beim Lesen im Internet wird ständig auf weiterführende Texte verwiesen, was dazu führt, dass der Leser ständig neue Texte beginnt, ohne jedoch den vorigen Text zu beenden.

Ein Stück weit geht damit der Begriff Lesen wieder zurück zu seiner ursprünglichen Bedeutung, wonach Lesen mehr im Sinne von verstreut herumliegendes aufnehmen und zusammenzutragen verwendet wurde, was im heutigen Sprachgebrauch meist als auflesen bezeichnet wird. Danach entspricht das Lesen im Internet viel mehr dem ursprünglichen Begriff als es zunächst den Anschein hat.

Ein kleiner Exkurs zum Leseverhalten, demnach ist es egal in welcher Reihenfolge Buchstaben stehen solange der erste und der letzte Buchstabe richtig positioniert sind.

„Luat enier sidtue an eienr elgnhcsien uvrsnäiett, ist es eagl in wcheler rhnfgeeloie die bstuchbaen in eniem wrot snid. das eniizg whictgie ist, dsas der etrse und der lztete bstuchbae am rtigeichn paltz snid. der rset knan tatol deiuranchnedr sien und man knan es ienrmomch onhe porbelm lseen. das legit daarn, dsas wir nhcit jeedn bstuchbaen aeilln lseen, srednon das wrot als gzanes.“

(http://www.akrue.privat.t-online.de/dumm61.htm)

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Eingeordnet unter 01. Sitzung - 30.04.