Web 2.0 – Freiheit oder Zensur?

„Hast Du schon eine Website?“
„Das hat mit diesem Internet zu tun, richtig? Ich glaube nicht, dass sich das auf Dauer durchsetzt.“ (entscheidende Szene im Trailer ab 2.13 min)

Wer den Film „Männerherzen“ gesehen hat, der kennt die Aussage von Justus von Dohnányi alias Bruce Berger. Er passt ziemlich gut zur Geschichte des Internets. Das Internet hat sich definitiv durchgesetzt. Man soll nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, jedoch kann man sagen, dass die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts ebenso die Welt auf eine gewisse Weise verändert hat, wie das Internet im vergangenen Jahrhundert. Damals wie heute gab und gibt es Menschen, die durch eine neue Technologie erst einige Jahre später in den Bann gezogen werden. Im 15. Jahrhundert konnte eine Großzahl der Menschen nicht lesen, heutzutage hat nicht jeder eine Verbindung an das globale Internetnetz. Doch wie begann es mit der Generation Internet, in der wir mittlerweile leben? Führt die allgemeine Digitalisierungswelle weg vom guten alten Buchdruck, oder inwieweit wirkt sich das WorldWideWeb auf die Lektüre aus?

Das Internet existiert noch nicht lange. Erst knapp ein halbes Jahrhundert kann der Mensch auf ein weltweites Netzwerk zurückgreifen. Auslöser war ausgerechnet ein Konflikt zwischen zwei Großmächten. Der Sowjetunion ist es durch den „Sputnikschock“ (Start des ersten künstlichen Erdsatelliten) im Jahr 1957 zu verdanken, dass die Amerikaner in ihrem Stolz soweit verletzt waren, um im Bereich der Technologien wieder vermehrt zu forschen. Das Resultat war ab 1969 zu bestaunen: Das ARPANET nahm seinen Betrieb auf. Als Vorläufer des heutigen Internets operierte es zunächst nur auf militärischer Ebene, bis 1990 endlich die Freigabe für den privaten und kommerziellen Betrieb erfolgte. Dazu kam es nur durch die stetige Weiterentwicklung des Netzes in den 70er und 80er Jahren. Die Grundidee, die der Öffnung des Internets für alle Menschen zugrunde liegt, ist das vernetzen möglichst vieler Computer, so dass ein Datenaustausch möglich wird. Daraus sollte eine universelle und einzigartige Enzyklopädie werden, auf die auch jeder Zugriff haben sollte. An sich ist das eine sehr gute Idee, allerdings mit einem Haken: Es ist utopisch zu glauben, man könnte alles Wissen der Welt „online“ vereinen und für alle zugänglich machen. Bereits im Altertum gab es enzyklopädische Projekte. Die sind aber allesamt in einer überschaubaren Ordnung, während im heutigen Internet zwar Wissen massenhaft vorhanden, aber kreuz und quer verteilt ist: „Der Weltraum, unendliche Weiten…..Wir schreiben das Jahr 2200…. .“ Dieses Zitat aus dem Intro von Star Trek passt dazu ganz gut. Auf Wikipedia wird beispielsweise Wissen in einen Zusammenhang gesetzt, jedoch ist die Gefahr groß sich zu verirren. Das Internet ist der Heuhaufen, in der wir als User die berühmte Nadel suchen. Die Frage, die man sich dabei eventuell stellen könnte, lautet: Wie konnte es in so kurzer Zeit (Freischaltung privater Betrieb 1990 – Heute) soweit kommen, dass man zwischen der Benutzung einer Enzyklopädie aus der Bibliothek und der des Internets abwägen muss wie zwischen Pest und Cholera?

Damit sollte man auch das Internet als kulturelle Gemeinschaft und in diesem Zusammenhang die Ideologie der Freiheit in Frage stellen. Dieses Prinzip der Freiheit, das im Idealbildnis eine konsensorientierte und egalitär strukturierte Gemeinschaft darstellen soll, ist definitiv gescheitert. Bestes Beispiel ist der Protest der russischen Band Pussy Riot, der erst durch die Verbreitung im Internet publik wurde:

Interpretiert man die Ideologie der Freiheit in ihrem Kern, so kann man behaupten, dass durch die Verbreitung des Protests im Netz sich niemand strafbar machen kann. Das ist aber nicht der Fall. Die Protagonisten sitzen in Haft und sind bestraft worden. Der Inhalt dieses Protests mag nicht für jeden richtig sein, jedoch geht es darum, dass hier jemand etwas für alle frei zugänglich gemacht hat. Das ist seine „persönliche Freiheit“. Folglich ist exemplarisch an dieser Stelle die „Freiheit“ nicht mehr gegeben. Nicht jeder kann sich also „frei“ äußern. Das Prinzip der großen Internet-Gemeinschaft ist demnach gescheitert. Das man dabei natürlich die unterschiedlichen Regierungssysteme beachten muss, lassen wir außen vor, denn es geht um das Grundprinzip, das für alle gleich sein sollte.  Dieser Fall steht nur für einen von vielen.

Der Clip der Pussy Riot wurde durch das Web 2.0 ermöglicht. Erst die fortschreitende Verbreitung des Internets im Alltag durch allerlei Anwendungen, wie beispielsweise Podcast, Blogs, Twitter, soziale Netzwerke etc… ermöglicht einerseits die Präsentation andererseits die Partizipation an einem derartigen Protestvideo. Es wäre zu keinem Dialog über derartige Proteste gekommen, wenn hier nicht eine Aura im Spiel wäre, womit wir bei Walter Benjamin angekommen wären. Durch die Aura nimmt man unmittelbar an einem Kunstwerk teil. In diesem Fall ist die Darbietung der Band in der Kirche auch ein Kunstwerk. Dass es zu so einem Echo, wie wir es nach der Veröffentlichung erlebt haben, gekommen ist, bedeutet gleichzeitig, dass die Aura gewirkt hat. An uns liegt es nun, die Aura richtig einzuordnen und entfalten zu lassen.

Hat sich nun die Lektüre durch die Verbreitung des Internets verändert? Ja, das hat sie. Durch die neue „Kultur“, die der Mensch erschaffen hat, sind Bücher allgegenwärtig. Jeder kann jederzeit auf Bücher zugreifen. Das ist ein großer Fortschritt im Gegensatz zum Leben von vor 100 Jahren. Informationen und Wissen sind allgegenwärtig. Welcome to the Revolution…………..

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 02. Sitzung - 07.05.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s