Monatsarchiv: Juni 2013

E-BOOKS & E-PUBLISHING

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Die Möglichkeit des e-publishing und der Besitz eines e-books sind erst durch unsere voranschreitende Technik und durch das Internet möglich. Hierbei ist nicht zu vergessen, dass die Literatur dadurch nun auch einen anderen Zugang bekommen hat, der von einigen als Gewinn und von anderen als Verlust angesehen wird.

Das e-book nimmt in unserer heutigen Zeit einen immer wieder größeren Stellenwert an. Diese Methode des veröffentlichen von Text hat sich von dem ersten käuflichen elektronischen Buch (1888), über die Markteinführung des Kindle im Jahr 2007, bis hin zum e- book Hype, der 2010 ausbrach und bis heute noch anhält, entwickelt.

Auch das e-publishing hat sich dadurch zu einem enormen und wichtigen Teil der Literatur etabliert. Allerdings steht die Entwicklung dieser Methode in der Kritik, da durch diese Art von Massenmedien nicht nur ein Fortschritt in unseren Globalisierungsprozess stattfindet, sondern auch ein Wertverlust an der Literatur durch Amateure vorgenommen wird. Auch die Literaturwissenschaft leidet unter diesem Phänomen, da die Frage der Autorenschaft ins Wanken gerät, sodass Autor und Leser eine neue Funktionsrolle zugeschrieben wird.

E – BOOKS: Ersatz zum Buch?

E-Books – elektronische Bücher in Form einer entsprechend formatierten Datei, die sich mittels eines Lesegeräts, d.h. eines universellen Werkzeugs zum Lesen, Übertragen und Archivieren, lesen lässt […]“ (Hendryk:2010)

Die Idee eines e-books ist: Viel Literatur ständig bei sich tragen zu können ohne einen Massentransport von Büchern auf sich nehmen zu müssen. Das momentan wohl bekannteste e-book ist der Kindle:

http://video.golem.de/mobil/9165/amazon-kindle-paperwhite.html

Diese Art von Lesegerät bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich, auf die im Folgenden näher eingegangen wird.

Wie schon erwähnt teilen sich die Meinungen der Leserschaft bei e-books. Die Befürworter sehen in diesem Gerät eine praktische Erfindung, da mit Hilfe seiner Technik Texte schneller gelesen und auch verstanden werden können. Die dort vorhandenen Erklärungs- oder Suchoptionen liefern schneller Erklärungen ab, als das Nachschlagen in einem Wörterbuch. Für die ältere Generation ist dieses Gerät ebenfalls vorteilhaft, denn das Vergrößern der Schriftgröße lässt so manch alte Leseratten wieder in ihre Lieblingsbeschäftigung eintauchen. Auch die Wissenschaft hat sich das e-book zu ihren Gunsten gemacht, denn wissenschaftliche Publikationen sind als e-book finanziell vorteilhafter und schneller zugänglich.

Die Gegensprecher wiederum, wobei dieser Ausdruck zu extrem erscheint, sehen das e-book nicht als schlechte Erfindung. Sie sind der Meinung, dass durch diese Sicht das Buch an Wert verliert und die Liebe oder die Freude, ein Buch fast bewältigt zu haben, nicht mehr existiert. Auch der Flair oder die Sinnlichkeit, die ein dicker Einband mit Signatur versprüht, geht an dem Gerät verloren. Das habtische fehlt und die Frage, welche Funktion das Bücherregal in der Zukunft haben wird, wird immer größer.

Der aktuelle Roman „Shades of Grey“ war zunächst auch nur ein e-book.

Bild 2Da die Welt und die Literatur immer im Wandel ist und sein wird, werden die e-books ein immer festerer Bestandteil der Literatur. Interessant ist die Frage: Was ist wenn die Bibliotheken wegfallen und damit auch ein gewisser Status verloren geht? Momentan kann man sagen, dass die e-books nicht kategorische abgelehnt werden, jedoch auch nicht als Ersatz für das Buch gelten.

E-PUBLISHING: Verlust der Autorenschaft?

Die Literatur liegt in der Aktualität begründet, man braucht heute keinen Verlag mehr um ein Buch zu veröffentlichen. Die Freiheit des Internets lässt keine Grenzen der Veröffentlichung mehr zu: Blogs, e -paper, Newsletter etc.

Gedichte, Bücher und Bände bekommen nun Konkurrenz vom e-publishing. Aber welche Formate, die publiziert worden sind, sind Literatur?

Leseprobe 1

Leseprobe 2

Leseprobe 3

Ein bis heute andauernder Streitpunkt der Literaturwissenschaft ist der Wert des Autors. Durch das e-publishing bekommt dieser eine ganz neue Funktion. Denn durch die nun mögliche Interaktion mit dem Leser, ist der Einfluss auf das Werk nichtmehr nur einer Person zugeschrieben sondern jedem Internetbenutzer. Die Theorie von Sender und Empfänger wird aufgelöst, Beispiel dafür ist die Fanfiction. Hier entsteht eine Beziehung zwischen Autor und Leser. Dies ist ein großer Fortschritt und ein guter Trend für Autor und Leser. Plattformen oder Anbieter wie Amazon und KDP, neobooks, smashwords, e-public, tredition etc. bieten diese Möglichkeiten an, so dass so mancher Verlag manche Romane durch e-books – Droemer Knaur via neobooks oder via Top20/100 der Bestsellerliste auf Amazon auswählen und dann auch professionell publizieren werden. AmazonCrossing heißt das neue Programm von Amazon, welches ein Teil des Unternehemn ist und aus internationalen Angeboten von Texten Übersetzungen herausbringt, und diese dann Weltweit vermarktet. Als Paperback oder im Kindle-Store kann man die Werke dann erwerben. Dadurch können natürlich traditionelle Verlage mit Rang und Namen verdrängt oder in der Zukunft vielleicht sogar ersetzt werden

Wichtige Plattformen

http://www.gutenberg.org/

http://www.neobooks.com/verdienen-sie-mit-ihrem-ebook-geld?gclid=COPR2M7y-rcCFUyi4AodHXsAZQ

https://kdp.amazon.com/self-publishing/signin?ie=UTF8&language=de_DE

Doch leider sind im Internet auch Amateure und deren Texte am Werk, so dass manch unseriöser Text von „Mausi123“ dem Ruf der Literatur und deren Kultur schadet, da die Ästhetik keine große Funktion mehr hat.

Man sollte die Texte, welche durch Ästhetik einen gewissen Status bekommen haben, nicht vergessen, sich aber auch nicht zu stark auf sie versteifen. Schließlich ist ein nicht ästhetischer Text, der über das Leben erzählt, nicht weniger Wert als ein kunstvoll geschriebenes Werk von bekannten Autoren mit Rang und Namen.

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Eingeordnet unter 07. Sitzung - 18.06.

Von Fans – Für Fans

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Die Fan Fiction, oder auch Fanfiktion, FF und Fangeschichte genannt, ist ein schriftliches Werk – von Fans, für Fans. Man suche sich also sein Lieblingsbuch oder seinen Lieblingsfilm, nehme seinen Lieblingscharakter, erfinde vielleicht noch ein oder zwei (oder zehn) Charaktere, greife sich einen Plot und los geht’s. Der Imagination sind dabei keine Grenzen gesetzt – zwei Regeln zur Abgrenzung von anderen Texten lassen sich wie folgt definieren: 1. Ein der Teil der Geschichte – und mag er noch so klein sein – muss direkt von einem bereits vorhanden (in der Fankultur bekannten) Text übernommen sein, und 2. der andere Teil muss aus der eigenen Fantasie stammen – reines Übernehmen oder: Zitieren – reicht nicht für eine Fan Fiction.

“This goes to the very nature of fan culture: fans write stories because they want to share insights they have into the characters, their relationships, and their worlds; they write stories because they want to entertain alternative interpretations or examine new possibilities which would otherwise not get expressed through the canonical material.”

– Henry Jenkins (1)

Der Medientheoretiker Henry Jenkins redet hier von Fankultur und einem kanonischen Material, das sich aus Filmen und Büchern zusammensetzt, die wir – als Literaturwissenschaftler – nicht unbedingt als ‚Kanon‘ bezeichnen würden. Es geht hier also nicht um Goethe oder Edgar Allan Poe, sondern um Harry Potter, Game Of Thrones, Yu-Gi-Oh oder Star Wars. Gleichzeitig ist dieser Sub-Kanon alles andere als stabil – sehr gut am Beispiel von Star Trek zu erkennen, eines der ersten und jetzt wieder neuesten Gebiete der Fankultur (auch genannt: Fandom). Nur, um nicht falsch verstanden zu werden: Star Trek Fans gab es schon seit Anbeginn der ersten Serie, doch das rege Interesse eines breiten Fandoms – inklusive Fan Fiction Produktion – erfreut sich seit neustem einem Comeback, woran J.J. Abrahams’ Star Trek (Film) nicht ganz unschuldig ist.

Fankultur ist immens. Sie ist ein Prozess, eine internationale Gemeinschaft, welche mithilfe des Internets produziert, kommuniziert und distribuiert. Sie wächst von Tag zu Tag und ist inzwischen so mächtig, dass verschiedene Autoren und Institutionen versuchen, ihrer Herr zu werden. Wie Lucasfilm mit „The Official Star Wars Fan Film Awards” – einem Wettbewerb, der zum einen die Kreativität der Fans fördert und sie zum anderen wohlwissend beschränkt: Bis 2007 waren hier keine Videos erlaubt, die auf einer Fan Fiction basierten. Anne Rice, die Autorin der Reihe „The Vampire Chronicles” verbot Fan Fiction gleich ganz und Paramount Pictures verklagte kurzerhand einige Fanseiten zum Thema Star Trek. Man sieht: Auch hier ist die Frage nach dem Copyright sehr aktuell (2).

Aber um es kurz zu fassen: Fankultur ist inzwischen so mächtig, dass sie nicht nur die Aufmerksamkeit Hollywoods, sondern auch der Wissenschaft erregt. Der bereits erwähnte Medienwissenschaftler Henry Jenkins zum Beispiel hat sich in seinem Werk „Convergence Culture“ (2006) (3) ausgiebig mit dem Phänomen der Fankultur – und ihren möglichen Auswirkungen auf die Produktionsebene der neuen Medien – beschäftigt. Ich möchte also im nächsten Schritt behaupten, dass es für uns Literaturwissenschaftler nun durchaus an der Zeit ist, die geschriebene Fankultur, also die Fan Fiction, nähern zu beleuchten. Dazu ein näherer Blick auf unser Versuchsobjekt.

„Was kommt dabei heraus, wenn man eine Frau mit dem Vokabular eines Bierkutschers in eine Beziehung mit einem snobistischen Lucius Malfoy steckt? Wie schafft es eine Hermine Granger unseren finsteren Meister der Zaubertränke an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu treiben? Eine Geschichte über wahre Liebe, Intrigen, Chaos, Rache und nebenbei die Stärke einer Frau sich neu zu entdecken […]“

– „Auch aus Steinen wird ein Weg“, eine Fanfiktion von Ann-Su (4)

Wir alle wissen, was Leerstellen sind: Zwischenräume in Geschichten – das heißt, in Büchern, aber auch in Filmen oder Computerspielen –, die dem Rezipienten ein gewisses Maß an Fantasie zugestehen. Sie existieren zahllos im Text und richten sich direkt an dem Medienkonsumenten, mit Fragen wie: Was erlebten die neun Gefährten auf dem Weg von den Minen von Moria bis zum Goldenen Wald von Lothlórien? Wie sahen die ersten zehn Jahre im Leben von Harry Potter aus? Und was alles musste Leia noch ertragen, als Jabba The Hut sie in seinen Besitz genommen hatte? Leerstellen sagen aber noch etwas aus – und zwar: In der Zwischenzeit ist nicht mehr viel passiert, deswegen machen wir einen kleinen Sprung.

Die Fankultur gibt sich damit nicht zufrieden. Ein die-hard Star Wars Fan will es genau wissen – und er möchte (im Falle eines Fan Fiction Autors) nicht nur George Lucas persönliche Antwort auf all seine Fragen, im Gegenteil, er möchte sich die Antworten selbst geben. Dazu reichen aber bald auch die Leerstellen nicht aus, also werden sie künstlich geschaffen: Teile des Star Wars Universums werden genauer beleuchtet, Charaktere werden auf andere Planeten transferiert und Konstellationen von Partnern (in Sachen Beziehung) neu zusammengesetzt. In der Filmreihe hat Luke Skywalker niemals das jüngere Ich seines Vaters zu Gesicht bekommen – im Fan Fiction Universum reicht ein kleiner Zeitsprung und schon befinden wir uns in einer neuen Dimension, einer neuen Timline, die vollkommen mit eigenen Vorstellungen angefüllt werden kann (selbst J.J. Abrahams hat sich dieses kleinen Tricks bei „Star Trek 11“ bedient – was nun zur Folge hat, dass es plötzlich zwei Spocks in ein und derselben Zeitlinie gibt. Man mag also sagen, J.J. Abrahams hat sich seine eigene Fan Fiction geschaffen, wobei diese ihrerseits wieder Fan Fiction vonseiten der Fans anregt). Und ganz nebenbei: Fan Fiction muss sich nicht nur auf einen Film oder ein Buch(kurz: auf ein Fandom) beziehen – Crossovers, also die Einbeziehung von mehreren komplett unterschiedlichen Story ist im Fan Fiction Universum Gang und Gebe.

Etwas humorvoll ausgedrückt:

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Warum Star Wars, aber nicht Psycho? Warum Harry Potter, aber nicht Ziemlich Beste Freunde? Zum einen gilt: Je populärer, desto mehr Fan Fiction. Zum anderen eignen sich Filme oder Bücher, die ein ganzes Universum erschaffen viel besser für neue Anknüpfungspunkte. Ich will damit nicht sagen, dass es keine Fan Fiction zu Psycho gibt, aber die unterschiedliche Anzahl von Fanproduktionen spricht eine eindeutige Sprache. Was sagt uns das noch?

Fan Fiction ist vielleicht mehr, als ein Verbund von Schreibern, die zu wenig Fantasie haben um sich ‚etwas Eigenes‘ auszudenken. Im Gegenteil: Bei Fan Fiction geht es um das Eintauchen in einen bereits vorhandenen Text, es handelt sich um den Prozess eines Umschreibens, eines Weiterdenkens. Anknüpfungen an bereits vorhandene Welten bieten den Start, doch alles Weitere ist positiv – im Sinne von: produktiv. Unter dem Gesichtspunkt der Intertextualität – vielleicht mag man den experimentellen Namen ‚bewusste Intertextualität‘ einführen – ergibt sich ein Punkt, an dem die Literaturwissenschaft die Kontaktaufnahme wagen könnte. Doch wie und wo auch immer der Startpunkt für eine wissenschaftliche Untersuchung von Vorteil wäre – notwendig ist er in unserer Zeit und bei dem rasanten Wachstum der produktiven Fankultur und somit auch Fan Fiction allemal:

“…Fan fiction is a way of the culture repairing the damage done in a system where contemporary myths are owned by corporations instead of owned by the folk.”

― Henry Jenkins

PS:

Falls ihr euch weiter mit Fan Fiction beschäftigen wollte, empfehle ich das Projektstudium von Sanja Döttling „Fans & Fiktionen“ auf dem Medienblog media-bubble.de (eine Seite von Tübinger Studenten der Medienwissenschaft).

Das weiteren könnt ihr euch in dem Buch „Convergence Culture“ (2006) (2) von Henry Jenkins ausgiebig über die Fankultur und Medienkonvergenz sowie den Medienwandel informieren – genauere Angaben zu dem Buch findet ihr in den Quellen.

Anbei noch zwei der populärsten Seiten, auf denen ihr Fan Fiction lesen & schreiben könnt:

Deutschsprachig: www.fanfiktion.de
Englischsprachig: www.fanfiction.net

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Literatur

(1) http://henryjenkins.org/2006/09/fan_fiction_as_critical_commen.html#sthash.sVRUeiYM.dpuf
(2) http://resources.lawinfo.com/en/articles/copyrights/federal/fan-fiction-s-fair-use-of-original-material.html
(3) Jenkins, H. (2006). Convergence Culture: where old and new media collide. New York & London: New York University Press.
(4) http://www.fanfiktion.de/s/4b11578d00011596067007d0

Bilder

(a) http://letterstorob.files.wordpress.com/2010/01/fanfiction1.png

(b) http://4.bp.blogspot.com/_gMte6WwEohk/TLZXx2bPvbI/AAAAAAAAAIE/8FRah6RDliE/s1600/Xover+copy.jpg

(c) http://fc06.deviantart.net/fs70/f/2012/022/d/d/what_is_this____fanfiction__by_bayleef_-d4nazu9.png

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 06. Sitzung - 11.06.

Digitale Literatur & e-Poetics

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E-Books, Mitschreibprojekte, e-Poetry, Hyperlinks. Von der mündlichen Übertragung zur schriftlichen Festhaltung über die Erfindung des Drucks, erleben wir heute einen erneuten Umbruch mit: den zur digitalen Literatur.

Durch sie und die Verbindung mit dem Internet ergeben sich unzählige neue Möglichkeiten, die jedoch nicht immer nur positiv sind. Vordergründig stehen Fragen wie: Kann eine wertvolle, wissenschaftlich anerkannte Literatur noch gewährleistet werden, in einem Raum, der für jeden zugänglich ist und in dem nichts aussortiert wird? Muss die Literaturwissenschaft umdenken? Wie verändert sich die Autor-Leser-Beziehung?

Plötzlich erscheint das Geschriebene in einem ganz anderen Format. Es ist nichts Handfestes mehr,  kein Buch, das man sich in der Bücherei kauft oder in der Bibliothek ausleiht.

Das Internet (oder das Netz) erweitert das Feld der digitalen Literatur zusätzlich. Der Leser wird nicht nur (durch das Nutzen von Hyperlinks) in das Projekt eingebunden, sondern hat die Option, selbst Autor zu werden. Eine neue Produktions- und Rezeptionsbasis wird geschaffen.

Die lineare Struktur, wie sie in Büchern gegeben ist, verliert an Bedeutung. Verursacht wird diese Veränderung durch das Konzept des Hypertextes. Aber was genau ist unter diesem Begriff zu verstehen? Er bezeichnet einen neuen Text, einen neuen Wissenspfad, der über eine Querverbindung (Hyperlink) im vorausgegangenen Text beschritten wird. Dem Leser steht die Möglichkeit offen, selbst zu entscheiden, wie er vorgehen möchte und in welcher Reihenfolge er die Verbindungen wählen will. Er wird aktiv mit eingebunden und das hat die zuvor genannte Auflösung der Linearität zur Folge hat. Der Text als Einheit wird aufgebrochen.

Eines der ersten veröffentlichten Projekte zum Thema Hypertext bildete Susanne Berkenhegers „Zeit für die Bombe“:

http://berkenheger.netzliteratur.net/ouargla/wargla/zeit.htm

Sie gewann dafür 1997 den „Pegasus“- Preis.

Was damals eine Sensation war, ist heute nichts Besonderes mehr. Doch es zeigt, dass die Grenzen, die zuvor zwischen Autor und Leser vorhanden waren, sich bereits  zu dieser Zeit verwischen und sie tun es bis heute zunehmend. Doch nicht nur das. Die digitale Literatur ist multimediafähig. Das bedeutet, dass nicht mehr länger nur Text an sich verwendet wird, sondern eine Einbindung von Bild, Film und Ton möglich ist.

Was aus all diesen neuen Begebenheiten resultiert, ist die Notwendigkeit neuer und der klaren Definition bekannter Begriffe:

 Hyperfiction

„Hyperfiction“ bezeichnet einen literarischen Text, der im hypertextuellen Milieu konstruiert und rezipiert wird. Es kommt zur Auflösung der Linearität.

Digitale Literatur

„Digitale Literatur“ sind laut Roberto Simanowski alle computer- und netzbasierten literarischen Bestrebungen. Sie ist grundsätzlich an ein digitales Medium gebunden, welches interaktiv, intermedial oder inszeniert ist (eine dieser Eigenschaften genügt).

Literatur im Internet

Alles was als literarisch bezeichnet und ins Netz gestellt wird, ist als „Literatur im Internet“ zu verstehen.

Internetliteratur

Mit „Internetliteratur“ ist die Literatur gemeint, die ausschließlich mit Hilfe des globalen Netzwerks „Internet“ entstehen kann.

Schon allein die hiermit nur knapp angerissenen Bezeichnungen zeigen, wie schwer es ist, all den neuen Vorgängen in ihrer Komplexität gerecht zu werden.

 Zu einer neuen Art der Literatur gehören auch sogenannte „Mitschreibprojekte“. Der Leser ist eingeladen, gleichzeitig Autor zu werden. Dies kann unter anderem über ein für alle zugängliches Portal erfolgen oder über eine e-mail, die dem, der das Projekt einleitete (und der dann auch die Auswahlmöglichkeit hat), zugeschickt werden muss. Eine ganz andere Option ist die, dass der Leser vorschlägt, wie es weitergehen soll und der Autor bringt dies dann (nicht zu Papier sondern) ins Internet.

 Eine besondere Art dachte sich auch Dirk von Gehlen aus: Er stellte die Idee eines Buches („Eine neue Version ist verfügbar – Update: Wie die Digitalisierung Kunst und Kultur verändert“)  vor und die Leute hatten die Möglichkeit, das Buch zu kaufen, bevor es überhaupt geschrieben war. Als Gegenleistung wurde der Leser in den Entstehungsprozess miteingebunden. 350 Leserinnen und Leser kauften das Buch und es konnte problemlos finanziert werden.

http://www.dirkvongehlen.de/index.php/print/eine-neue-version-ist-verfugbar/

E-Poetry

Diese Idee ist nur eine von tausend neuen Wegen, die die Digitalisierung und das Internet ermöglichen. Was im Bezug auf Literatur nicht vergessen werden darf, ist das Feld der Poetik. Wie kann sie sich im Internet durchsetzen? Kann sie es überhaupt?

Die Beantwortung dieser Fragen erweist sich als schwierig. Es gibt unzählige Poetik-Foren, die immer neue Möglichkeit zeigen, wie man mit Poesie im digitalen Raum umgehen kann. Allerding handelt es sich dabei nicht um Besonderheiten. Zwar mag es den Leser oder Betrachter früher fasziniert haben, als die Variation, die in diesem Bereich eingebracht wurde, noch nicht ganz so verbreitet war, doch heute kann man sagen, dass sich dieses Genre nicht unbedingt durchgesetzt hat. Zumindest nicht in gleichem Maße wie literarische Texte.

Hier eines der regelmäßig aktiven Foren:

http://iloveepoetry.com/

Und daraus ein Beispiel für ein E-Poem:  

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http://iloveepoetry.com/?p=14

Wie sich zeigt, eröffnet sich dem Leser in vielen Bereichen eine Welt voller Möglichkeiten. Doch neben den Vorteilen, dass diese schnell und billig sind und dem Leser Freiraum und Eigenaktivität erlauben, stehen auch Nachteile wie die Unbeständigkeit, die Ununtersuchbarkeit oder der Aktualitätsverlust. Auch die Frage nach der Autorenschaft bleibt vorerst eine unbeantwortete. Aber nichtsdestotrotz birgt die digitale Literatur ein großes Potenzial. Sie darf als Literaturgattung keinesfalls aufgegeben werden, auch wenn ihre Wege scheinbar unberechenbar sind…

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Eingeordnet unter 06. Sitzung - 11.06.

Festanstellung für PD Dr. Frank Richter

Dieses Thema hat zwar nicht wirklich viel mit digitalen Literaturen zu tun, jedoch liegt es mir sehr am Herzen.

Frank Richter ist Dozent am SfS für Computerlinguistik. Es wäre einsehr großer (fachlicher, wie auch menschlicher) Verlust für das Institut, wenn er dieses verlassen müsste.

https://www.openpetition.de/petition/online/festanstellung-fuer-pd-dr-frank-richter

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Quality-Television: Die narrative Spielwiese des 21. Jahrhunderts!?

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Am 30. September 2013 findet, initiiert vom komparatistischen Seminar der Uni des Saarlandes, daselbst eine Tagung zum Thema „Serial Narration“ statt. Für Bei- und Vorträge ist ausdrücklich der Nachwuchs aufgerufen. Die Tagung ist Teil des laufenden Forschungsprojektes Living Handbook of Serial Narration on Television (Hauptseite).

Die Ausschreibung samt Teilnahmebedingungen findet ihr hier. Das Wichtigste: Ein Abstract sollte bis zum 14. Juli eingereicht werden, der Vortrag maximal 20 Minuten in Anspruch nehmen.

Mir scheint das Projekt recht interessant deswegen, weil es im Ansatz sehr offen ist und viel Spielraum für kreative Beiträge lässt. Narrative Strukturen und der große Fundus an relevanten Serien spannen ein großes Netz. Wer Anregungen sucht, seinen Serienhorizont zu erweitern – IMDB hilft gerne aus.

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Die Encyclopédie und Wikipedia

Die Encyclopédie als „Kreis des Wissens“ – Und was aus diesem Kreis in heutigen Tagen geworden ist

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Das Streben nach Wissen ist eine Grundeigenschaft des Menschen, die ihm – laut der Bibel – schon im Paradies zum Verhängnis wurde. Hätten Eva und Adam nur nicht von dem Apfel gegessen… Was wäre dann? Würden die Menschen dann wissens- und ahnungslos durch Welt wandeln? Wie sähe so ein Menschenleben aus? Wäre das Hauptziel des Lebens, sich fortzupflanzen und einigermaßen wohl zu (über)leben? Ein solches Leben können wir uns als Menschen nicht vorstellen, da wir eben alle (die einen mehr, die anderen weniger) nach Wissen streben. Und das ist auch gut so: Von der kindlichen Neugier sagt man, sie sei wichtig, um die Welt zu entdecken. Nur wer die Welt entdeckt hat, kann sich erfolgreich in ihr bewegen. Prinzipiell unterscheidet sich dies nicht von der „erwachsenen Neugier“, beziehungsweise dem Streben nach Wissen.

Doch wie kann man sicherstellen, dass dieses Wissen nicht irgendwann verloren geht? Diese Frage stellten sich Denis Diderot und Jean Baptiste de Rond d’Alembert vor etwa 260 Jahren auch. Die Lösung: Ein Buch. Mehrere Bücher. Sehr viele Bücher, um genau zu sein, die das ganze Wissen der Menschheit beinhalten. Der Name des Werkes: Die Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers.

Doch Diderot und d’Alembert wollten Wissen nicht nur bewahren, sie wollten es hauptsächlich auch allen zugänglich machen, sodass nicht eine bestimmte Gruppe (etwa Kirche oder Staat) die Kontrolle darüber hatte, welches Wissen unter der Bevölkerung verbreitet wurde und welches nicht. Dieses Vorgehen von bestimmten Institutionen ist auch heutzutage gar nicht so unüblich. Man denke dabei an die Zensur in China. Und daran, was manche Reporter und Journalisten auf sich nehmen, um die unzensierte Wahrheit in China zu veröffentlichen (http://www.reporter-ohne-grenzen.de/china-spezial/). So kann man sich vorstellen, was es  im 18. Jahrhundert bedeutete, eine „unzensierte“ Enzyklopädie herauszubringen, in der die Bibel nicht die Hauptquelle und Gott nicht das Zentrum allen Wissens war, sondern der Mensch selbst.

Heute haben wir Wikipedia – die frei Enzyklopädie aus dem Internet, an der jeder mitarbeiten kann und die so beliebt ist, dass sie aktuell auf Platz 6 der meistbesuchten Websites steht. Kein Wunder, schließlich ist sie in 285 Sprachen verfügbar. Da ein Sprache meist auch aus einem bestimmten Kulturkreis kommt, macht Wikipedia es möglich, die verschiedenen Wissenskulturen zu vergleichen, wenn man die Artikel desselben Themas in den unterschiedlichen Sprachen betrachtet. Hier wäre es beispielsweise interessant, das Thema „Pressefreiheit“ im chinesischen Wikipedia im Vergleich zum deutschen Artikel zu betrachten.

Da Wikipedia ein Online-Lexikon ist und praktisch jeder mitarbeiten kann, steht es oft in der Kritik. An der Uni gleicht eine Quellenangabe von Wikipedia einer Todsünde. Dabei hat erst jüngst eine Studie ergeben, dass Wikipedia sogar noch zuverlässiger ist als die Encyclopaedie Britannica (hier gibt’s die Studie im PDF-Format: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/29/EPIC_Oxford_report.pdf). Vor allem in Sachen Quellennachweise und Aktualität sei Wikipedia der Encyclopaedie Britannica weit voraus; zumindest letzteres überrascht allerdings nicht.

Trotz allem hat Wikipedia immer wieder mit Kritik in bezug auf Unzuverlässigkeit zu kämpfen. Vermutlich ist dies auch ein Grund dafür, dass die Artikel auf sachlicher, objektiver und naturwissenschaftlicher Basis geschrieben sind – um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Anders hingegebn bei der Encyclopédie, die als wichtige Charakteristik die Satire beinhaltet – natürlich sind nicht alle Artikel satirisch geschrieben, es gibt allerdings auch Verweise, die teilweise satirisch gemeint sind. Satire wird in diesem Zusammenhang als Kritik angesehen und sollte dadurch auch Wissen vermitteln: Das Wissen darum, dass ein Mensch kritisch an die Dinge herangehen muss und sich sein Denken selbst konstruieren sollte.

Hier stoßen wir auf die Gretchenfrage in Sachen Enzyklopädie: Ist es deren Aufgabe, Kritik zu äußern und somit Kritikfähigkeit zu fördern, oder sollte sie reines Wissen vermitteln?

Auf der einen Seite ist es natürlich wichtig, Kritikfähigkeit zu entwickeln. Allerdings sind wir heutzutage so vielen Medien ausgesetzt, dass es nicht schadet, eine objektive Quelle zu haben, auf die man zurückgreifen kann – sei es Wikipedia oder eine gedruckte Enzyklopädie. Zu Diderots Zeiten war dies anders, denn damals gab es nicht so viele Möglichkeiten der Kritik und freien Meinungsentfaltung.

Das Argument, dass man beim Lesen eines Artikels in Wikipedia nicht mehr nachdenken müssen, kann hier nicht greifen, schließlich müssen auch objektive Informationen verarbeitet werden. Im Gegenteil: Der Leser muss sich seine Meinung komplett selbst bilden, anstatt sie einfach zu übernehmen, wie es bei einem satirischen Artikel eventuell der Fall wäre.

Wie schon angedeutet, gibt es im Internet genug andere Möglichkeiten, kritische Meinungen zu lesen. Ein Beispiel für eine rein satirische „Enzyklopädie“ ist stupidedia.org:

Die Wikipedia (Kunstwort aus der Kinderserienfigur „Wiki und die starken Männer“) ist ein weißer Ball von etwa 4 cm Durchmesser mit komischen Buchstaben und einem Loch. Ziel der Wikipedia ist es, das gesamte Internet zu ersetzen. Sie bezeichnen sich selbst als die freie Enzyklopädie.

http://www.stupidedia.org/stupi/Wikipedia

Was mit Satire im Internet passiert, kann man sich dort sehr schön anschauen. Natürlich gibt es noch unzählige weitere Websites wie diese, beispielsweise die Homepage des Satiremagazins Titanic http://www.titanic-magazin.de/.

Seltsamerweise ist unter den beliebtesten Websites im Internet keine solche Seite vertreten, Wikipedia hingegen steht auf Platz 6 – ein Indiz dafür, dass die Menschen diese „Sicherheit“ suchen und brauchen? Oder vielleicht einfach nur ein Anzeichen für deren Faulheit…?

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Eingeordnet unter 05. Sitzung - 04.06.

WERTEWELTEN

Wertewelten - Grenzen

Das Tübinger Projekt WERTEWELTEN, eine Initiative unter der Leitung Prof. Dr. Jürgen Wertheimers (IL) und Prof. Dr. Heinz-Dieter Assmanns (Jura), lädt in diesem Jahr zum nunmehr achten Mal zu einem öffentlichen Forum ein. Reden, Abendvorträge und Gesprächsrunden füllen das Programm vom 11. bis zum 14. Juni.

Von besonderem Interesse für Literaturwissenschaftler sind dabei nicht zuletzt das Panel mit der rumänisch-deutschen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller (Di., 11. Juni, 20.00 Uhr, Kupferbau HS25) sowie des nigerianischen Literaturnobelpreisträgers Wole Soyinka am darauffolgenden Tag (20.00 Uhr, ebd.). Das restliche Programm ist nicht minder interessant.

HM Collagegedicht

Quelle: http://www.germanistik.unibe.ch/SAGG-Zeitschrift/6_09/meyer.html, aus: Müller, Herta: Die blassen Herren mit den Mokkatassen. München/Wien 2005.

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